Mein liebes Kind,
fast zwei Wochen ist es her, dass wir uns auf die körperlichste und schmerzhafteste Weise trennen mussten, die ich mir vorstellen kann.
Dein Vater und ich vermissen dich unendlich.
Du hast unser Leben ganz schön durcheinander gewirbelt, weißt du? Gerade hatten wir uns daran gewöhnt, Eltern zu sein, jetzt gewöhnen wir uns daran, dass sich die Welt, die wir dir so gerne erklärt hätten, ohne dich weiterdreht.
Wir drehen uns mit, wir wollen leben, schon allein, weil du zu krank dafür warst.
Noch fühlt sich die Normalität imitiert an, kostet es mich unglaublich viel Kraft, morgens aufzustehen. Und doch schaffe ich es jeden Tag, weil es einen Unterschied macht, ob man im Bett oder am Küchentisch weint.
Du hast uns so unglaublich viel gegeben. Ganz viel Lachen und Wundern und Wünschen. Und sogar jetzt noch die Erkenntnis, stärker zu sein, als wir dachten.
Ich hab dein Zimmer gestrichen. Die schrecklich pinke Vormieterfarbe konnte ich keinen Tag länger ertragen.
Als ich voller Farbspritzer barfuss auf dem wackeligen Küchenhocker versuchte einbeinig balancierend die Decke zu erreichen, hab ich leise in die Farbe geheult. Und gleichzeitig auch gelächelt, weil ich mir vorgestellt hab, dass du mir von irgendwo zuschaust und schmunzelnd den Kopf über deine bescheuerte Mutter schüttelst.
Heute auf dem Standesamt hab ich deine Geburtsurkunde bekommen. Durfte dir einen Namen geben. Aber auch wenn die Schreibmaschine einen anderen getippt hat, für uns bleibst du Erdnuss.
Es ist komisch, nach sieben Monaten Untervermietung wieder alleine und mit leerem Bauch zu sein. Obwohl ich mir sicher bin, dass du mir was dagelassen hast. Zu wissen, was und wen ich in meinem Leben will, wohin es dann damit gehen soll und inmitten von sich beschwerenden, nörgelnden, abgehetzten und genervten Menschen ganz gelassen und ruhig zu lächeln.
Weil ich jetzt weiß, was da Schlimmeres kommen kann.
Und mit dir bleiben uns wunderschöne Erinnerungen. Die sind immer größer als die Trauer.
Wir werden hier nicht mehr bloggen. Ganz oft hab ich dir die Kommentare vorgelesen, die uns drei begleitet haben. Den Rest schaffen wir alleine. Dein Vater und ich Hand in Hand, du in unseren Herzen.
Danke, dass du bei uns warst!
Wir lieben dich!


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